Integration durch Freie Radios

Die Bedeutung von mehr- und fremdsprachigen Sendungen für die Integration von Migrant_innen

Im Auftrag des Bundesamtes für Kommunikation BAKOM hat die Radioschule klipp+klang eine Studie über das fremdsprachige Programmangebot der Komplementärradios in der Schweiz durchgeführt. Untersucht wurden Themen und Ausrichtung der einzelnen Sendungen, sowie Herkunft und Motivation der freiwilligen Programmschaffenden. Insgesamt kann die Leistung der mehr- und fremdsprachigen Sendungen der Komplementärradios in der Schweiz als hoch integrativ bezeichnet werden. Sie informieren Migrant_innen über das Leben in der Schweiz, so dass sich diese besser und selbstständiger in der Schweiz zurechtfinden können.

Seit 1983 gibt es in der Schweiz sogenannte Komplementärradios (oder Freie Radios, Gemeinschaftsradios), die auf nicht kommerzieller Basis Radioprogramme abseits des Mainstreams ausstrahlen. Für die meisten dieser Radios sind mehr- und fremdsprachige Sendungen ein wichtiger Programmbestandteil. Diese Sendungen waren 2007/2008 erstmals Gegenstand einer umfassenden Forschung. Untersucht wurde, welche Radio-
sendungen mit welchen Themen und in welchen Sprachen produziert werden, welche Macher_innen mit welchen Motiven dahinter stehen und welchen Beitrag diese Sendungen zur Integration von Migrant_innen in der Schweiz leisten.

Die Studienergebnisse zeigen, dass die Sendungen hinsichtlich der Inhalte, der politischen Ausrichtung und der geografischen Schwerpunktsetzung ausgesprochen vielfältig sind. Die Sendungsschaffenden sind mehrheitlich männlich, hoch qualifiziert und gut integriert. Ihre freiwillige Radiotätigkeit beruht auf unterschiedlichen Motiven: Einerseits möchten sie mit ihren Sendungen ihrer Gemeinschaft wichtige Informationen über die Schweiz und ihr Herkunftsland vermitteln, andererseits ziehen sie aus der Radioarbeit auch einen persönlichen Nutzen. Viele waren im Herkunftsland Journalisten und die nicht-kommerzorientierten Radios bieten ihnen oft die einzige Möglichkeit ihren Beruf hier in der Schweiz weiter zu verfolgen. Andere schätzen das Radio als Treffpunkt von Menschen unterschiedlicher Herkunft, wieder andere produzieren ihre Sendungen, einfach weil sie Spass daran haben.

Eines der zentralsten Ergebnisse der Studie ist die Erkenntnis, dass Themenwahl und Sendungsausrichtung sehr stark von der aktuellen Lebenssituation der Sendungsschaffenden abhängig sind. So berichtet auch die überwiegende Mehrzahl der Sendungsschaffenden von Veränderungen der Programminhalte im Laufe der Zeit. Das fremdsprachige Radioprogramm ist ein Spiegel der vielfältigen und sich in unterschiedlichen Stadien befindenden Integrationsprozesse von Migrant_innen in der Schweiz. In eben dieser «naturwüchsigen» Vielfältigkeit liegt sein zentraler Beitrag zur Integration.